Von heute an werde ich eine reichliche Woche in der hübschen nordfriesischen Stadt Husum verbringen, um das Festival Raritäten der Klaviermusik zu besuchen. Ich bin sehr gespannt auf die vielversprechenden Konzerte von Hiroaki Takenouchi, Simon Callaghan, Peter Froundjian, Florian Noack, Andrej Gugnin, Zlata Chochieva, Ludmila Berlinskaja & Arthur Ancelle und anderen, und freue mich darauf, für das VAN Magazin über das Festival zu berichten.
Weitere Ideen zur professionellen Musikausbildung
Mein Hinweis auf die folgenden beiden Artikel kommt etwas verspätet, soll aber nicht fehlen, denn beide Texte repräsentieren bemerkenswerte Positionen zur Ausgestaltung des Musikstudiums an deutschen Hochschulen und Universitäten und dürften auch einige Wochen später noch Anlass zur Würdigung und weiteren Diskussion liefern.
Im April 2021 veröffentlichte der Komponist Fabien Lévy einen längeren Artikel in der nmz mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für mehr Vielfalt in den musikalischen Repertoires und Vermittlungsweisen der Hochschulausbildung. Der Essay sollte nicht allein als theoretische Darstellung oder polemische Abrechnung mit den fetisch-artigen Merkmalen der klassischen Musiktradition angesehen werden, sondern kann als ein mögliches Modell für die Gestaltung zukünftiger Curricula und Studienprogramme dienen.
Im Mai 2021 publizierte die Initiative StuM, ein neu gegründeter Zusammenschluss von achtzehn Studierendenschaften deutscher Musikhochschulen, gemeinsam mit dem FZS einen Brandbrief, in dem eine Anzahl von Missständen im Ausbildungssystem thematisiert werden – insbesondere unter den Umständen der derzeitigen Pandemielage. Alle Punkte erscheinen erwägenswert, vor allem vor dem Hintergrund, dass hier erstmals Forderungen aus einer Perspektive artikuliert werden, die das Engagement und die Bedürfnisse der Studierenden als Hauptprotagonist_innen der Musikhochschullehre sichtbar machen und zum Ausdruck bringen, dass der Status quo nicht länger hinnehmbar ist.
Reformprojekt Musikhochschule
Seit einigen Monaten präsentiert die Initiative Neue Musikhochschule auf ihrer Webpräsenz ein umfassendes alternatives Konzept zu dem traditionellen, durch Hierarchien und festgefügte Machtstrukturen gekennzeichneten System der professionellen Musikausbildung. An die Stelle von Meisterlehre, Geniekult und Leistungsdruck soll ein inhaltlich offenes und ganzheitliches akademisches Lehren und Lernen treten, das nach konsensualen Prinzipien organisiert ist; das kreative und innovative Potential musischer Ausbildung soll unter der Voraussetzung der Gleichwürdigkeit und Mündigkeit aller Beteiligten neu gedacht werden. Auch wenn das Konzept einige wichtige administrative und inhaltliche Aspekte (etwa die Aufgabe traditioneller Repertoirebeschränkungen) bisher noch nicht thematisiert, verdienen die Ideen der Initiatoren Hans-Christian Hauser, Sebastian Haas und Hayo Keckeis größtmögliche Beachtung und Würdigung, wozu ich mit diesem Text beitragen möchte.
Stellungnahme zum Lehrauftragswesen
Ich habe eine weitere Stellungnahme zum Lehrauftragswesen in den Fächern Musiktheorie und Gehörbildung an deutschen Hochschulen und Universitäten verfasst. Nach einer Darstellung des Status quo erläutere und begründe ich die zentralen Forderungen nach Einrichtung zusätzlicher fester Stellen und massiver Reduktion des Lehrauftragsanteils. Anschließend entwerfe ich ein Szenario, wie Lehraufträge als Instrument der postgradualen Nachwuchsförderung und als produktives erstes Karrierestadium weiterhin in begrenztem Umfang eingesetzt werden könnten. Über Rückmeldungen und eine sachliche Diskussion würde ich mich freuen!
Lehraufträge in Musiktheorie: Stellungnahme
Positionspapier Lehrbeauftragte der GMTH
Die Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH) hat ein von mir mitverfasstes Positionspapier veröffentlicht, in dem Belange der Lehrbeauftragten für musiktheoretische Fächer an deutschen Hochschulen thematisiert werden. Kernforderungen sind die Einrichtung von festen Stellen für dauerhafte Deputate im Haupt- und Nebenfach sowie die Reduzierung des durch Lehraufträge abgedeckten Unterrichtsvolumens auf höchstens 20 Prozent. Weitere Memoranden sind in Vorbereitung.