<span class="vcard">Wendelin Bitzan</span>
Wendelin Bitzan

Jahreskongress der GMTH in Salzburg

Morgen werde ich nach Salzburg reisen, um an der Universität Mozarteum am diesjährigen Kongress der Gesellschaft für Musiktheorie teilzunehmen. In diesem Jahr werde ich keinen eigenen Vortrag präsentieren (was auch mal ganz nett ist), bin aber sehr gespannt auf die Leitung einer Session mit Buchpräsentationen, auf einen Nachwuchs-Workshop zu Bewerbungsstrategien, den ich gemeinsam mit meiner Kollegin Sigrun Heinzelmann anbieten werde, und zu vielerlei Begegnungen und fachlichem Austausch mit Musiker:innen, Forscher:innen und meinen Kolleg:innen im Vorstand der Gesellschaft. #gmth2022 #musiktheorie

Komponieren im Elfenbeinturm

In a recent interview in the neue musikzeitung, Claus-Steffen Mahnkopf, a prolific composer and professor at Hochschule für Musik und Theater Leipzig for almost 20 years, admits that he has no idea why there are hardly any domestic applications for studying composition at music universities in Germany. After that, he complains at length that his works and conceptions, which he routinely submits to orchestras and opera houses to be considered for performance, keep being rejected all the time. Seriously, Herr Mahnkopf? I wonder how somebody involved in the training of composers for decades can be so clueless about the deficiencies in pre-university education, and the immense decline in meeting the preconditions needed for applying to a music university. And, besides this discomforting lack of care for the young generation, both he and the interviewer fail to notice the obvious interconnection of the two issues in question: the absence of a sustainable and integrative system of encouraging and supporting young people in a possible professional career in music, and the alienation of classical music business from everything topical and contemporary. Shouldn’t a professor of composition be more concerned about the future of his profession, and at least take interest in strategies of how teenagers can be introduced to composing and performing new music? Nearly every of Mahnkopf’s sentences demonstrates that somebody is speaking who totally lost contact with the basis of early education and promotion of young musicians. #ivorytower #upperclassproblems

Skrjabin-Konferenz in England

Ich freue mich sehr, am kommenden Wochenende an der Konferenz Scriabin @ 150 zum Jubiläumsjahr Aleksandr Skrjabins teilzunehmen, die an der Queen Anne’s School im englischen Caversham bei Reading stattfindet. Innerhalb einer illustren Gemeinschaft von Forscher:innen und Musiker:innen, die ihre Ansätze und Interpretationen zu Skrjabins Musik präsentieren, werde ich einige Gedanken zu den wenig beachteten Parallelen zwischen Skrjabin und seinem Moskauer Zeitgenossen Nikolaj Metner beisteuern. Vielen Dank an Kenneth Smith, Marina Frolova-Walker und alle anderen Kolleg:innen, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben!

Interessenvertretung für Berliner Musiker:innen

Mit Spannung sehe ich fünf Meetings innerhalb von sechs Tagen entgegen, bei denen ich die Positionen des Vorstands des Deutschen Tonkünstlerverband Berlin und die Anliegen der Mitglieder darstellen und weitervermitteln möchte. Wir werden uns mit Vertreter:innen des Landesmusikrat Berlin, der Fachgruppe Musik von ver.di, des Bundesverbands der Freien Musikschulen, des DACH Musik Berlin und mit den Kolleg:innen vom Pro Musik Verband austauschen, um Perspektiven der freischaffenden künstlerischen Arbeit und Kulturpolitik zu diskutieren. Diese Aktivitäten geschehen auf der Grundlage ehrenamtlichen Engagements, solange keine Möglichkeit besteht, die Arbeit von Berufsverbänden und künstlerischen Interessenvertretungen durch öffentliche Förderung zu unterstützen. Also werden wir unsere Bemühungen auch mit dem übergeordneten Ziel, das Berufsfeld weiter zu professionalisieren, fortsetzen.

Lysenkos sowjetisches Erbe?

Kürzlich stieß ich in den sozialen Medien auf die Behauptung, dass die Nationalhymne der Sowjetunion, komponiert 1943 von Aleksandr Vasil’evič Aleksandrov und seit 2000 mit angepasstem Text als Hymne der russischen Föderation verwendet, durch ein Klavierwerk des ukrainischen Komponisten Mykola Vitalijovyč Lysenko, Fragment épique aus dem Jahr 1876, inspiriert worden sein könnte. Tatsächlich weist der Anfang der Hymne eine deutliche Ähnlichkeit mit einer Passage kurz vor dem Ende von Lysenkos Komposition auf. Handelt es sich hier um ›kreative Aneignung‹, wie diese Quelle nahelegt, oder gar um ein Plagiat (vorausgesetzt, dass Aleksandrov das Klavierstück von Lysenko kannte, was schwer zu beweisen sein dürfte)? Oder liegt nur eine zufällige Übereinstimmung der Melodie und Harmonik vor, die sich der gemeinsamen Bezugnahme beider Beispiele auf das Satzmodell der Romanesca bzw. des Dur-Moll-Parallelismus verdankt? Was meint ihr?