<span class="vcard">Wendelin Bitzan</span>
Wendelin Bitzan

Wem gehört der Pseudo-Beethoven?

Ich frage mich, ob auf die Partitur des durch KI vervollständigten Orchesterwerks auf Basis der Skizzen zu Beethovens 10. Symphonie, das kürzlich vom Beethoven Orchester Bonn und Dirk Kaftan im Rahmen des Jubiläums Beethoven 2020 aufgeführt worden ist, das gängige Urheberrecht anzuwenden ist. Berücksichtigt man, dass es sich nicht im eigentlichen Sinne um ein menschliches Werk handelt, und dass der Anteil des Komponisten Walter Werzowa am Endprodukt ungewiss ist: sollte das Werk dann nicht gemeinfrei sein? Vielleicht kann das Beethoven-Haus Bonn diese Frage klären.

Vorstandsamt im DTKV Berlin

Nach langem Ringen um die Zukunft des Deutscher Tonkünstlerverbands Berlin kann ich nun bekanntgeben, zum stellvertretenden Vorsitzenden des Berufsverbands gewählt worden zu sein. Ich freue mich, die Vorstandsarbeit im Interesse der Mitglieder und gemeinsam mit meinen Kolleg:innen Simon Borutzki, der nun als Vorsitzender amtiert, sowie Elizabeth Franzen, Jens Domeyer und Agnes Stein von Kamienski neu zu gestalten.

Aktivitäten in diesem Herbst

Ein straffer Zeitplan erwartet mich in den beiden kommenden Wochen. Trotz der bevorstehenden Herausforderungen freue ich mich, wieder unterwegs sein zu können, und Kolleg_innen und Freunde bei den folgenden Anlässen zu treffen:
(a) 23. September, 8:30 Uhr: Online-Teilnahme an der 10. European Music Analysis Conference, veranstaltet durch das Moskauer Konservatorium, mit einem Vortrag über Beethoven, Taneev und Metner. Sagt Bescheid, wenn ihr die Präsentation verfolgen möchtet.
(b) 24. September, 12:00 Uhr: 20. Symposium der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft an der Universität der Künste Berlin, wo ich mit einem Referat zu Schostakowitschs Passacaglia-Sätzen der 1940er Jahre beteiligt bin.
(c) 29. September, 17:30 Uhr: 17. Internationale Konferenz der Gesellschaft für Musikforschung an der Universität Bonn, wo ich noch einmal über Beethoven, Taneev und Metner sprechen werde.
(d) 2. Oktober, 15:00 Uhr: 21. Jahreskongress of the Gesellschaft für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Basel mit einer Präsentation der Webseite Musiktheorie Digital, gemeinsam mit drei geschätzten Kolleg_innen.

Vielfalt im Musiktheorieunterricht

Während des vergangenen Semesters habe ich in meinen Lehrveranstaltungen versucht, Musik von Frauen und Composers of Colour hörbarer und sichtbarer zu machen. Dies führte zu einigen hochinteressanten Entdeckungen von Werken, deren Existenz mir zuvor nicht bewusst war, und es bereitete mir große Freude zu sehen, wie gut sich die neuen Beispiele in den Unterricht integrieren ließen. Es gibt so viel hörens- und betrachtenswerte Musik jenseits des klassischen ›Kanons‹ (den ich nicht ausschließen, sondern durch weniger bekannte Kompositionen ergänzen möchte), und angesichts einiger sehr positiver Reaktionen von Studierenden sehe ich keinen Anlass, nicht auf diese Weise fortzufahren. Tatsächlich war die Diversifizierung der Musikbeispiele ein so leichter und naheliegender Schritt, dass ich mich frage, warum ich dies nicht schon früher getan habe.

Hier folgt eine Liste von Komponist_innen, deren Musik mir in den vergangenen vier Monaten die inspirierendsten und lohnendsten Gegenstände zur Beschäftigung im Unterricht lieferte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Maddalena Casulana, Raffaella Aleotti, Francesca Caccini, Anna Amalia von Preußen, Joseph Bologne de Saint-Georges, Juliane und Louise Reichardt, Maria Theresia Paradis, Sophie Westenholz, Maria Szymanowska, Louise Farrenc, Emilie Mayer, Pauline Viardot, Ella Adaevskaja, Cécile Chaminade, Mélanie Bonis, Ethel Smyth, Amy Beach, Leokadija Kašperova, Elena Gnesina, Florence Price, Germaine Tailleferre und Lili Boulanger.

Husumer Raritäten

Von heute an werde ich eine reichliche Woche in der hübschen nordfriesischen Stadt Husum verbringen, um das Festival Raritäten der Klaviermusik zu besuchen. Ich bin sehr gespannt auf die vielversprechenden Konzerte von Hiroaki Takenouchi, Simon Callaghan, Peter Froundjian, Florian Noack, Andrej Gugnin, Zlata Chochieva, Ludmila Berlinskaja & Arthur Ancelle und anderen, und freue mich darauf, für das VAN Magazin über das Festival zu berichten.