Für die Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH) habe ich mit meinen Kollegen Georg Thoma, Holger Müller-Hartmann und Hans Aerts ein Positionspapier zu Tätigkeiten und Arbeitsverhältnissen in der akademischen Lehre der Fächer Musiktheorie und Gehörbildung verfasst. Das Papier knüpft an ein Memorandum der GMTH zum Lehrauftragswesen aus dem Jahr 2021 an, aktualisiert die Forderung nach einem Höchstanteil von 20 % Lehrbeauftragten gegenüber 80 % festangestellten Lehrkräften und schließt einige Überlegungen zur Personalpolitik an Musikhochschulen und Universitäten an. Insbesondere werden unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen, die eine rechtssichere Beauftragung selbstständig tätiger Lehrkräfte ab 2028 deutlich erschweren werden, maßgebliche Stellenaufwüchse notwendig sein, um die an vielen Standorten deutlich zu hohen Lehrauftragsquoten zu reduzieren. Die GMTH appelliert an die zuständigen Landesministerien, die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen, und setzt sich für eine ressourcenschonende und sozialverträgliche Gestaltung des Umwandlungsprozesses ein.
Drei Uraufführungen
ABGESAGT – Mit kaum größerer Freude könnte ich das folgende Konzert mit einigen Uraufführungen meiner Kompositionen ankündigen, das am Samstag, 27. Juni, um 15:45 Uhr im Rahmen des Ensemble! Festivals im Partika-Saal der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf stattfinden wird. Die Flötistin Zhijun Xu und die Cellistin Inés Bueno López werden mich bei der Darbietung von zwei Kammermusikwerken aus den letzten Jahren, Capriccio spirituoso und Begebenheit, unterstützen, und ich werde außerdem meine vor kurzem entstandene SonaTine für Klavier präsentieren. Ein spezielles Vergnügen wird die Mitwirkung meines Kollegen Hubertus Dreyer sein, der mich auf der Bühne interviewen und damit einen verbalen Rahmen für das Konzert gestalten wird. Ich danke außerdem herzlich Tobias Koch für seine wunderbare Arbeit bei der Konzeption und Organisation des Festivals.
Wenn ihr in der Nähe sein solltet, würde ich mich freunen, euch im Publikum willkommen zu heißen. Die anderen Bestandteile des Festivals sind ebenfalls hörenswert. Bis bald in Düsseldorf!
Seminare zu Dora Pejačević und Sonatentheorien
Das Sommersemester an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf hat begonnen, und ich freue mich auf meine neu beginnenden Lehrveranstaltungen. Neben dem regulären Kursprogramm im Musiktheorie-Gruppenunterricht biete ich auch zwei Seminare an, die Schnittmengen zwischen Musikwissenschaft, musikalischer Analyse und dem Studium historischer Schriften erschließen werden.
Das erste Seminar nimmt die Kammermusik der kroatischen Komponistin Dora Pejačević in den Blick; hier freue ich mich insbesondere auf Kollaborationen mit der Pianistin Kyra Steckeweh und der Violinklasse meines Kollegen Andrej Bielow, sowie auf eine Vortragsreihe an der RSH mit einigen anderen Lehrenden, in der ich zu Doras Klaviertrio op. 29 referieren werde. Das zweite Seminar verfolgt die Entwicklung historischer Sonatentheorien und analytischer Modelle durch das 18., 19. und 20. Jahrhundert, beginnend mit Heinrich Christoph Kochs interpunktischem Formkonzept, bis hin zur zeitgenössischen angloamerikanischen sonata theory. Beide Seminare werden im wöchentlichen Wechsel in Präsenz und online stattfinden, so dass eine Gastteilnahme unkompliziert möglich ist – lasst es mich wissen, wenn ihr euch einwählen möchtet.
Erfahrungen bei Jugend musiziert
Heute möchte ich von einigen ambivalenten Erfahrungen mit dem Wettbewerb Jugend musiziert sprechen, den ich aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen konnte: als Teilnehmer, Elternteil, Delegierter in Ausschüssen und als Jurymitglied. Nachdem ich im letzten Jahr als Juror in einer Kammermusik-Kategorie mitgewirkt habe, sollte ich in diesem Jahr als Juryvorsitzender für das Fach Gesang in einem Berliner Regionalwettbewerb eingesetzt werden, die übrigen Jurymitglieder anfragen und die eingereichten Programme durchsehen. Unglücklicherweise verliefen die Interaktion und Zusammenarbeit innerhalb des zuständigen Regionalausschusses so ineffizient und unbefriedigend, dass ich, nachdem die Situation immer schwerer erträglich wurde, keine andere Möglichkeit mehr sah, als von meinen Funktionen als Ausschussmitglied und Juror zurückzutreten.
Die folgenden Aktionen des Ausschusses und der Projektleitung beim Landesmusikrat Berlin führten zu einer übereilten und unnötigen Neubesetzung der gesamten Gesangsjury, die ungünstige Folgen für die zuvor ausgewählten Juror:innen hatte: Ihr Engagement wurde nicht wertgeschätzt und ihre Motivation für zukünftige Jurytätigkeiten gemindert, zum Teil wurde ihre fachliche Eignung in Frage gestellt, und einige von ihnen mussten aufgrund der kurzfristigen Absage einen Verdienstausfall in Kauf nehmen. Das ist sehr schade, vor allem angesichts des Umstands, dass der Wettbewerb wesentlich auf der ehrenamtlichen Arbeit vieler beteiligter Personen beruht. Die dargestellten Entwicklungen deuten außerdem auf einen grundsätzlichen Reformbedarf der Abläufe und Organisationsstrukturen des Wettbewerbs hin. Ich wäre sehr interessiert zu erfahren, was ihr darüber denkt und ob ihr ähnliche Beobachtungen oder Erfahrungen gemacht habt.
Auf der anderen Seite sind die Teilnahmen meiner Tochter Cosima, einer 15jährigen Harfenistin, am Berliner Regional- und Landeswettbewerb äußerst erfolgreich verlaufen. Mit Vergnügen darf ich berichten, dass ihre Darbietungen von Musik von Händel, Tournier und Andrès sowie ihrer eigenen Komposition Träumende Weide mit einer der höchsten Bewertungen in ihrer Kategorie ausgezeichnet wurden, so dass sie im Mai 2026 beim Bundeswettbewerb in Regensburg wird antreten dürfen.
Eine neue Komposition: SonaTine für Klavier
Nach einer längeren Zeit ohne kreative musikalische Verlautbarungen scheint es mir gelungen zu sein, mal wieder etwas zu komponieren. Das Produkt meiner zeitweiligen Bemühungen während der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres ist nun vollendet und in Noten gesetzt, woraus sich die Motivation ableitet, das Stück zu üben und für eine gelegentliche Aufführung vorzubereiten – oder vielleicht zuvor eine private Präsentation für diejenige Person, der es seine Entstehung verdankt: Tine Tl’dr, die Widmungsträgerin dieser dreisätzigen SonaTine für Klavier. Alle anderen, die einen Blick darauf werfen möchten, können die Partitur an ihrer bevorzugten Quelle für Noten im Internet finden. Wie immer sind mir eure Kommentare und Einschätzungen sehr willkommen.

