Research
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Machtmissbrauchsprävention in der Musikwissenschaft

Während der letzten 15 Monate war ich an einer Arbeitsgruppe zur Machtmissbrauchsprävention in der deutschsprachigen Musikwissenschaft beteiligt. Bei der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für Musikforschung haben wir einen vorläufigen Bericht unserer Aktivitäten vorgestellt, der eine umfangreiche Erhebung zum Thema innerhalb der Gesellschaft einschließt; diese zeigt sehr deutlich die Notwendigkeit von Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Mein Respekt und Dank gebührt Ina Knoth, die den Bericht mit äußerster  Sorgfalt zusammengestellt hat, und meinen lieben Kolleginnen Cornelia Bartsch, Beate Kraus und Paolina Aquilino aus unserem höchst engagierten Team. Bei Interesse findet ihr den Bericht und die Auswertung der Befragung hier.

Zudem haben wir eine Gruppe von Vertrauenspersonen rekrutiert, die bei der GfM-Mitgliederversammlung gewählt und als Ansprechpartner:innen für alle potentiellen Fälle von Machtmissbrauch innerhalb der Gesellschaft zuständig sein werden. Ich bin froh, dass Christoph Flamm, Manuel Gervink, Ariane Jeßulat, Sabine Meine und Josephine Pritz sich bereiterklärt haben, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Dank geht auch an den GfM-Vorstand, der das Anliegen behutsam begleitet und jederzeit unterstützt hat.

Seminar über Klaviersonaten

Derzeit leite ich ein musikwissenschaftliches Seminar an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, in dem es um Klaviersonaten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts geht. Die Werke werden in den jeweiligen ästhetischen und gattungshistorischen Kontexten ihrer Entstehungszeit betrachtet; der primäre Zugang ist aber analytisch, und wir untersuchen die verschiedenen Konzepte musikalischer Form und zyklischer Gestaltung, die sich in der Musik zeigen.

Der Semesterbeginn ist vielversprechend verlaufen, mit studentischen Präsentationen zu Werken von Franz Liszt und Joachim Raff, neben Sonaten von Josef Rheinberger, Edvard Grieg, Ethel Smyth und Felix Draeseke. Im weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung werden wir uns mit Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowkij, Mykola Lysenko, Leoš Janáček, Cécile Chaminade, Aleksandr Skrjabin, Sara Lewina, Béla Bartók, Erich Wolfgang Korngold, Viktor Ullmann und anderen beschäftigen. Außerdem wird es zwei Gastauftritte der Pianist:innen Kyra Steckeweh und Severin von Eckardstein geben, die Sonaten von Dora Pejačević und Nikolaj Metner spielen und vorstellen werden. Ich freue mich sehr!

Versunken in Stravinskij

Gerade bin ich mit dem Verfassen eines Beitrags zu einem Stravinskij-Handbuch, das im nächsten Jahr erscheinen soll, beschäftigt. Das Kapitel wird überblicksartig die Geschichte und wesentliche Tendenzen der Analyse von Stravinskijs Musik behandeln und dabei historische Betrachtungen (beginnend mit Messiaens und Boulez‘ Analysen des Sacre) und moderne Ansätze gegenüberstellen. Gibt es jenseits der einschlägigen Schriften von Taruskin, Cholopov, Straus, Horlacher et alii etwas Bemerkenswertes oder Unverzichtbares, von dem ihr denkt, dass ich es unbedingt in meine Darstellung einbeziehen sollte? Alle Hinweise und Meinungen sind mir sehr willkommen.

Musiktheorieunterricht mit digitalen Tools

Mein Artikel »The Digital Music Theory Classroom: Considerations for Technology-Based Teaching at Music Universities« wurde nun in der ZGMTH, der Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie, veröffentlicht. Der Beitrag präsentiert ein Konzept für den Musiktheorieunterricht, das auf dem Einsatz von digitalen Medien, Online-Plattformen und kollaborativen Dokumenten basiert. Zwei verschiedene Strategien werden vorgestellt, die sich im Hinblick auf die Organisation der Lehrveranstaltungen unterscheiden: ein Blended-Learning-Modell und ein Ansatz, der flexible Kontaktphasen und Inverted-Classroom-Einheiten kombiniert. Beide Wege sind geprägt durch eine Mischung aus Präsenz- und Online-Unterricht und können durch asynchrone E-Learning-Phasen ergänzt werden.

Kooperation und Konkurrenz

Derzeit arbeite ich an einem Artikel über die Beziehung zwischen den akademischen Disziplinen Musikwissenschaft und Musiktheorie im weiteren Sinne. Der Schwerpunkt der Darstellung wird auf verschiedenen Aspekten von Kooperation / Kollaboration bzw. Konkurrenz zwischen den beiden Gebieten und deren möglichen Manifestationen liegen. Falls ihr in eurer Arbeit bestimmte Vorkommnisse, Projekte, Arbeitsverhältnisse oder strukturelle Gegebenheiten erlebt habt, die geeignet sind, die genannten Verhältnisse näher zu beleuchten, und eure Einblicke und Einsichten teilen wollt, freue ich mich über eine Nachricht! Meine Perspektive ist hauptsächlich auf die Situation und akademische Tradition in Deutschland bezogen; Beobachtungen und Erfahrungen aus anderen Staaten sind mir aber ebenso willkommen.