Heute möchte ich von einigen ambivalenten Erfahrungen mit dem Wettbewerb Jugend musiziert sprechen, den ich aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen konnte: als Teilnehmer, Elternteil, Delegierter in Ausschüssen und als Jurymitglied. Nachdem ich im letzten Jahr als Juror in einer Kammermusik-Kategorie mitgewirkt habe, sollte ich in diesem Jahr als Juryvorsitzender für das Fach Gesang in einem Berliner Regionalwettbewerb eingesetzt werden, die übrigen Jurymitglieder anfragen und die eingereichten Programme durchsehen. Unglücklicherweise verliefen die Interaktion und Zusammenarbeit innerhalb des zuständigen Regionalausschusses so ineffizient und unbefriedigend, dass ich, nachdem die Situation immer schwerer erträglich wurde, keine andere Möglichkeit mehr sah, als von meinen Funktionen als Ausschussmitglied und Juror zurückzutreten.
Die folgenden Aktionen des Ausschusses und der Projektleitung beim Landesmusikrat Berlin führten zu einer übereilten und unnötigen Neubesetzung der gesamten Gesangsjury, die ungünstige Folgen für die zuvor ausgewählten Juror:innen hatte: Ihr Engagement wurde nicht wertgeschätzt und ihre Motivation für zukünftige Jurytätigkeiten gemindert, zum Teil wurde ihre fachliche Eignung in Frage gestellt, und einige von ihnen mussten aufgrund der kurzfristigen Absage einen Verdienstausfall in Kauf nehmen. Das ist sehr schade, vor allem angesichts des Umstands, dass der Wettbewerb wesentlich auf der ehrenamtlichen Arbeit vieler beteiligter Personen beruht. Die dargestellten Entwicklungen deuten außerdem auf einen grundsätzlichen Reformbedarf der Abläufe und Organisationsstrukturen des Wettbewerbs hin. Ich wäre sehr interessiert zu erfahren, was ihr darüber denkt und ob ihr ähnliche Beobachtungen oder Erfahrungen gemacht habt.
Auf der anderen Seite sind die Teilnahmen meiner Tochter Cosima, einer 15jährigen Harfenistin, am Berliner Regional- und Landeswettbewerb äußerst erfolgreich verlaufen. Mit Vergnügen darf ich berichten, dass ihre Darbietungen von Musik von Händel, Tournier und Andrès sowie ihrer eigenen Komposition Träumende Weide mit einer der höchsten Bewertungen in ihrer Kategorie ausgezeichnet wurden, so dass sie im Mai 2026 beim Bundeswettbewerb in Regensburg wird antreten dürfen.

