Laut einem Artikel in der New York Times wirken sich Probespiele, bei denen die Musiker_innen nicht sichtbar sind, negativ auf die ethnische Vielfalt in (nordamerikanischen) Orchestern aus und sind für ein diskriminierungsfreies Auswahlverfahren ungeeignet. Grundsätzlich überzeugt mich das zentrale Argument des Autors Anthony Tommasini, dass People of Colour nicht von einem meritokratischen System profitieren, an dem sie aus strukturellen Gründen nicht in ausreichendem Maße teilhaben – allerdings kann man über seine Schlussfolgerung durchaus geteilter Meinung sein. Es erschließt sich mir nicht, warum sich die Situation durch eine Abschaffung der ›blinden‹ Vorspiele verbessern sollte (oder ist nur die Überschrift irreführend?). Sicherlich ist eine vermehrte Unterstützung für nicht-weiße Bewerber_innen notwendig, um deren Chancengerechtigkeit zu vergrößern, gerade auch in den früheren Stadien der professionellen Musikausbildung; aber ich sehe keinen direkten Zusammenhang zwischen derartigen Maßnahmen und den Einstellungsverfahren bei Orchestern. Vielleicht mag mir jemand diese Logik erklären.