Und wieder heult Metners Nachtwind

An den ausgesuchten Kreis von Menschen, die meine absonderliche Vorliebe für üppig-expansive russische Klavierliteratur teilen, richtet sich die folgende Ankündigung: Ich werde meinen Vortrag über Nikolai Metners e-Moll-Klaviersonate ›Nachtwind‹ op. 25 Nr. 2 noch einmal halten, und zwar im Rahmen der 17. Jahrestagung der Gesellschaft für Musiktheorie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz am 17. November, 13:30 Uhr, im Palais Meran. Meine analytischen Einsichten werden ergänzt durch eine Untersuchung der poetischen und intertextuellen Hermeneutik dieses Werkes. Über eure Gesellschaft würde ich mich sehr freuen!

Polyprofessorabilitäten

Man sollte nicht denken, dass es möglich ist, zwei Professuren zur gleichen Zeit innezuhaben, zumal in einem so konkurrenzbetonten Metier wie der klassischen Musik doch genau dies trifft auf zwei Mitglieder des Lehrkörpers an der Fakultät Musik der Universität der Künste Berlin zu. Die Geigerin Nora Chastain ist außerdem Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste, und der Klarinettist François Benda lehrt auch an der Hochschule für Musik Basel. Nun kann man mit einigem Recht die Notwendigkeit bezweifeln, ein zweites Salär auf einem ohnehin schon hohen Gehaltsniveau zu beziehen. Entscheidender ist aber die Frage, wie die genannten Personen das mit der Betreuung zweier Hauptfachklassen verbundene Lehrdeputat bewältigen. Vielleicht verfügen sie über die seltene und beneidenswerte Fähigkeit der Bilokation?

Musik im Museum

Ich befinde mich in froher Erwartung meines ersten Soloauftritts seit einiger Zeit. Am kommenden Mittwoch, den 25. Oktober, umrahme ich die Eröffnung einer Ausstellung mit Landschaftsmalerei von Karl Hagemeister und Walter Leistikow im Bröhan-Museum Berlin mit Musik von Claude Debussy und George Gershwin. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr (siehe auch das Facebook-Event), der Eintritt ist frei. Nicht nur Charlottenburger Menschen sind herzlich eingeladen!

Lehrbeauftragtenstreik steht bevor

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die freiberuflich tätigen Lehrbeauftragten an bayerischen Musikhochschulen für Mitte November 2017 einen zweiwöchigen Generalstreik planen, um ihrer Ablehnung gegenüber der Direktive des Kultusministeriums, die Institutionen den Beschäftigungsumfang ihrer freien Mitarbeiter prüfen zu lassen, Ausdruck zu verleihen. Lehraufträge sind in Bayern nur bis zu einem Umfang von 9 Semesterwochenstunden zulässig. Natürlich ist es aus Sicht der Betroffenen gut, sich zu organisieren und gegen die seit langer Zeit untragbaren Arbeitsbedingungen zu protestieren allerdings ist das gewählte Mittel fragwürdig. Die Hochschulleitungen werden auf einen so kurzen Streik vermutlich kaum reagieren; die Streikenden verdienen einfach weniger und riskieren zudem ihre Weiterbeschäftigung. Notwendig wäre stattdessen eine Demonstration der Stärke und Unverzichtbarkeit dieser Berufsgruppe, die an den betreffenden Institutionen in vielen Fächern das Unterrichtsangebot sicherstellt. Eine effektivere Maßnahme wäre ein Streik innerhalb der Prüfungsphase am Semesterende; erst dann würden die Hochschulleitungen unter Druck geraten, weil das gesamte Prüfungsaufkommen auf die hauptamtlich Beschäftigten abgewälzt würde (was diese kaum hinnehmen könnten). Voraussetzung wäre allerdings, dass die Lehrbeauftragten Rückendeckung aus Berufsverbänden wie dem Deutschen Tonkünstlerverband und der Deutschen Orchestervereinigung erhielten.

Die für mich entscheidende Frage ist, ob Lehrbeauftragten wegen einer Überschreitung der zulässigen 9 SWS tatsächlich der Rauswurf droht, und falls ja, was dann als nächstes passiert. Gilt die Obergrenze nur für Tätigkeiten an den Musikhochschulen in München, Nürnberg, Würzburg und Augsburg, oder werden auch Lehraufträge in anderen Bundesländern berücksichtigt? Studierende und Lehrveranstaltungen, die bisher von Lehrbeauftragten betreut wurden, müssten künftig durch andere Dozent_innen versorgt werden – beabsichtigen die Hochschulen, noch mehr freie Mitarbeiter mit kleineren Deputaten zu beschäftigen, oder sollen neue Mittelbaustellen ausgeschrieben werden? In dem letzteren Fall wären die aktuellen Entwicklungen nicht notwendigerweise negativ zu bewerten.